Abenteuer einer Neugründung


Gebet des Klosters am Rande der Stadt


Jemand muss zuhause sein,
Herr,
wenn du kommst
Jemand muss dich erwarten,
unten am Fluss
vor der Stadt.
Jemand muss nach dir Ausschau
halten
Tag und Nacht.
Wer weiß denn wann du kommst.
Jemand muss wachen
unten an der Brücke,
um deine Ankunft zu melden,
Herr,
du kommst ja doch in der Nacht
wie ein Dieb.
Wachen ist unser Dienst,
wachen.
Auch für die Welt.
Sie ist so leichtsinnig,
läuft draußen herum
und nachts ist sie auch nicht
zuhause.
Denkt sie daran,
dass du kommst?
Dass du ihr Herr bist
und sicher kommst?
Herr,
durch meine Zellentüre
kommst du in die Welt
und durch mein Herz
zum Menschen.
Was glaubst du, täten wir sonst?
Wir bleiben, weil wir glauben.
Zu glauben und zu bleiben,
sind wir da, –
draußen
am Rande der Stadt.
Herr,
jemand muss dich aushalten,
dich ertragen,
ohne davonzulaufen.
Deine Abwesenheit aushalten,
ohne an deinem Kommen
zu zweifeln.
Dein Schweigen aushalten
und trotzdem singen.
Dein Leiden, deinen Tod mit aushalten
und daraus leben.
Das muss immer jemand tun
mit allen anderen.
Und für sie.
Und jemand muss singen,
Herr,
wenn du kommst,
das ist unser Dienst:
Dich kommen sehen und singen.
Weil du Gott bist.
Weil du die großen Werke tust,
die keiner wirkt als du.
Und weil du herrlich bist
und wunderbar wie keiner.
Silja Walter



Communität Kloster Wülfinghausen – *2013


Am Rand der Stadt Hannover liegt das Kloster Wülfinghausen. Hier lebe ich mit einer kleinen neu geborenen Kommunität von fünf Frauen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren. Eine 26-jährige Masterabsolventin lebt seit fünf Monaten mit uns im Rahmen von Kloster auf Zeit. Jemand muss hier zuhause sein, Ihn täglich erwarten, Ausschau halten, wachen, hier bleiben, sein Kommen erleben und sein Schweigen aushalten, – auch wenn’s manchmal zum Davonlaufen ist. Und singen dreimal am Tag und öfters, Ihn kommen sehen und singen... Das macht das Klosterleben aus. Und dafür bauen wir unsere „Communität Kloster Wülfinghausen“ auf. Sie wurde am 3.3.2013 gegründet, eine Neugründung aus der Communität Christusbruderschaft Selbitz.

Wie kann zeitgemäßes Ordensleben im 21. Jahrhundert aussehen? Das wollen wir herausfinden mit den Frauen, die das „Abenteuer Kloster“ mit uns probieren und für kürzere oder längere Zeit mit uns experimentieren. Die Restauration der Kirche kommt gewiss aus einer Art neuen Mönchtums, das mit dem alten nur die Kompromisslosigkeit eines Lebens nach der Bergpredigt in der Nachfolge Christi gemeinsam hat. Ich glaube, es ist an der Zeit, hierfür Menschen zu sammeln. – Dietrich Bonhoeffer (14.01.1935)

Neue Dynamik in alten Klostermauern

Seit 1994 beleben wir als ein kleiner Konvent ein altes ehemaliges Augustinerinnen-Kloster (gegr. 1236), das der Klosterkammer Hannover gehört und in das uns der damalige Präsident aus dem Süden angelockt hatte, um ein „Haus der Stille“ zu führen. Eine kleine dynamische Kommunität, alte geschichtsträchtige Klostermauern mit einer spätromanischen Krypta und die wunderschönen grosszügigen Klostergärten haben sich gegenseitig inspiriert und verändert und schließlich zu einer fruchtbaren Synthese zusammengefunden. Ich will von unseren Erfahrungen im Kloster Wülfinghausen erzählen.

Hören, was am Ort klingt

Es waren aufregende, abenteuerliche Pionier-Jahre, die uns alles abverlangten. Es dauerte, bis wir hier wirklich zu Hause waren. Wir mussten lernen, zu „hören, was am Ort klingt“ und sensibel werden für den Klang der Stille in diesem Gemäuer! Es war für uns auch wichtig, auf die Geschichte dieses Ortes zu hören und auf die Menschen, die hier gelebt hatten. Und auf die Nachbarn und die Natur, in die das Kloster eingebettet ist.

Individualität und Gemeinschaft

Wir mussten uns als Lebensgemeinschaft und als Arbeitsteam zusammenfinden und haben uns miteinander auf Entwicklungen und Supervisionsprozesse eingelassen. Wir sind hautnah mit unserer Verschiedenheit konfrontiert, mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Lebensweisen, Familien- und Frömmigkeitsprägungen. Und wir müssen lernen, das auszusprechen und konstruktiv damit umzugehen. Wir erleben, dass neue Energien und Lebensimpulse frei werden, wenn jede und jeder von uns zu sich steht. Damit sind wir offen füreinander und für das Evangelium.

Zuhause sein bei mir selbst und in der Gegenwart Gottes. Zugleich in einer klösterlichen Gemeinschaft und in einem alten Gebäude, in dem die Geschichte Gottes Stein geworden ist. Das ist vielleicht das Geheimnis, warum Klöster für viele Menschen heute so anziehend sind: Zuhause sein, Geborgenheit, Umfriedung, Stille, gelebte Religion.

Christiane Steins berichtet über ihren Weg ins Kloster: Ich in ein Kloster? Eingebunden in eine verbindliche Lebensgemeinschaft? Vielleicht sogar als „Schwester“? Das mag vielleicht für andere Menschen eine Perspektive sein, die dazu besonders berufen sind – aber nicht für mich! Da war ich mir völlig sicher, als ich mich 2014 für ein halbes Jahr von meiner sächsischen Landeskirche beurlauben ließ. Mögliche Überlegungen an einen Eintritt habe ich weit von mir gewiesen. Ich wollte einfach nach über 13 Jahren als Gemeindepfarrerin innehalten, im Rahmen von „Kloster auf Zeit“ ausreichend inneren Freiraum haben, um zu hören, wie Gott mein Leben, meinen Dienst als Pfarrerin weiter fruchtbar machen will.
Es kam anders: Über mehrere Monate wuchs im Hören auf Gott und durch viele Gespräche in mir die Bereitschaft zu prüfen, ob vielleicht doch das Leben in einer Kommunität mein Weg sein könnte. Intensiv habe ich das Für und Wider überlegt, bis ich dann gerne „Ja“ gesagt habe zu dem Abenteuer Postulat in Wülfinghausen. Als Postulantin hier anzufangen, ist für mich herausfordernd, schön, schwer, aufregend, gewöhhnungsbedürftig, voller Leben, befreiend … und vieles mehr. Ich bin gespannt, wie Gott das fruchtbar macht, was er noch einmal so neu in mir angestoßen hat!

Kloster als Kontrast-Welt

Viele Menschen finden bei uns einen Ort, der ganz anders ist als ihr Umfeld. Hier fühlen sie sich erwartet und willkommen und können ihre Sehnsucht neu spüren. Wir als Gemeinschaft suchen nach einem Leben, das sich nicht in Arbeit, Konsum und Leistung erschöpft. Wir versuchen einen Gegenentwurf zu leben und sind uns dabei bewusst, dass wir immer ein Teil der Gesellschaft bleiben. Die Gottsuche ist bei uns das Wesentliche. Sie wird täglich wachgehalten in der Ausrichtung unseres ganzen Lebens: in den Stundengebeten, im Zusammenspiel von „ora et labora“, in unserer Begegnung mit Menschen.

Zeit, die heilt

In einer mobilen, von Technisierung und Effizienzsteigerung geprägten Gesellschaft leisten sich Nonnen und Mönche den Luxus, in einen Tagesrhythmus einzuschwingen, der von Gebet und Arbeit, Einsamkeit und Gemeinsamkeit, Stille und Muße geprägt ist. Hier gibt es zwar viel zu tun, aber wir wollen unseren Selbstwert nicht nur aus der Leistung beziehen. Das Da-Sein als Mensch, als Tochter und Sohn Gottes, hat einen Wert an sich. Es braucht zweckfreie Räume und Zeit, die heilt.

Hier muss nicht jeder immer erreichbar sein. Vielleicht ist es symbolisch, dass die dicken Klostermauern nur bedingt Handy-Verbindungen zulassen. „Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen“ heißt es in der Regel des Hl. Benedikt. Die Gebetszeiten bestimmen den Rhythmus des Tages und nicht die Arbeit. Ein Tag in der Woche ist „Wüstentag“ – ein Freiraum für jede von uns. Da sind wir nicht zu erreichen! Es ist für uns ein Tag, an dem wir uns erholen, an dem wir nicht geben, sondern nehmen und uns das gönnen, was uns gut tut.

Kreative Freiräume

Wie wohltuend erleben viele unserer Gäste die Stille, die sie beim Ankommen umfängt. Welch ein Kontrast zur Stadt, zum Lauten, Eiligen, Geschäftigen, Glänzenden... Es ist aber nicht nur der „akustische Freiraum“, der den Menschen Luft zum Atmen gibt. Es ist auch ein existenzieller Freiraum, der sich ihnen hier auftut. Wir stellen keine Forderungen und Erwartungen an unsere Gäste. Man muss nicht fromm sein oder werden, man muss nicht beten oder singen. Jede und jeder kann entscheiden, ob sie oder er in den klösterlichen Rhythmus einschwingen will. So kann ein kreativer „Leer-Raum“ entstehen, um sich zu finden, sich zu erholen und sich inspirieren zu lassen. Er kann auch zu einem Lernraum und Lehrraum werden. Ein Fabrikant entwickelt neue Ideen für seine Firma, eine gut beschäftigte Mutter spürt hier Lust, ihre alte Querflöte wieder aus dem Schrank zu holen und sich nach einer Flötenlehrerin umzuschauen. Ein anderer nützt den Abstand, um seiner Frau einen langen Brief zu schreiben, in dem er sich Zeit nimmt, Liebe und Dankbarkeit für gemeinsam gelebte Jahre zum Ausdruck zu bringen.

Es ist immer jemand da, die betet

Wechselnde Bindungen und zerbrechliche Beziehungen bestimmen die Gegenwart. Dagegen sind im Kloster Werte wie Verlässlichkeit und Treue für viele Menschen heilend. Um 8.00 Uhr, 12.00 Uhr und 18.00 Uhr läuten die Glocken. Und es ist immer jemand da, die betet. Für viele ist das Wissen um diese Gebetszeiten schon ein Halt, ohne dass sie körperlich präsent sein müssen: „In Wülfinghausen wird jetzt gebetet. Ich kann mich innerlich mit dem Beten und Singen der Schwestern verbinden und an den Ort der Krypta versetzen.“

Suche nach authentischer Erfahrung

Immer mehr Menschen spüren ein inneres Vakuum. Die Sehnsucht nach einer Auszeit, nach Unterbrechung des Alltags und nach Möglichkeiten, seelisch aufzutanken, ist heute größer denn je. Viele suchen nach neuen Wegen, frei von moralischen Belehrungen oder dogmatischen Konzepten und unabhängig von einer bestimmten konfessionellen Überzeugung. Sie suchen nach Räumen authentischer religiöser Erfahrung, nach Orten gelebter und lebbarer Frömmigkeit, nach Erfahrungen, die ihnen gut tun. Das Kloster wird als Oase der Ruhe erlebt, in der man wieder in Kontakt mit sich selbst kommt. Die Seele kann aufleben. Gefühle, Intuitionen, Lebensträume haben hier ihren Platz, und die inneren Quellen können wieder sprudeln.

Heike Scheufler hat es so erlebt:

Ich hatte mich gut eingerichtet in meinem Leben, die Perspektive war klar. Und doch spürte ich, da ist noch mehr. Mehr als alleine in einer eigenen Wohnung zu leben, mehr als die berufliche Arbeit als verbeamtete Realschullehrerin in Baden-Württemberg, mehr als sich in der Freizeit ehrenamtlich in der Gemeinde zu engagieren. Einen Gott, der mich meint und mit mir auf dem Weg ist, suchte ich – und plante munter mein Leben.
Doch dann war so vieles in den letzten beiden Jahren, das nicht so lief, wie von mir ausgedacht. Und – dieser Gott, den ich suchte, ist mir begegnet. In meiner Kloster auf Zeit-Zeit im Sommer 2014 in Wülfinghausen – auf so überraschende, überwältigende und lebensverändernde Weise, wie ich es nicht erwartet hatte. Gott hat mich erwischt – und ich lerne, seinen Wegen zu vertrauen. So traf ich eine Herzensentscheidung, aus menschlicher Sicht eine unvernünftige Entscheidung. Ich wage es, alles zu verlassen, auch den Schwarzwald, der mir die letzten zehn Jahre zur Heimat geworden war, und viele Freunde, die mich begleitet haben. Ich werde Postulantin in der Communität Kloster Wülfinghausen!

Die Stille – ein weiter ökumenischer Raum

Ein evangelisches Kloster und Ignatianische Exerzitien? Das ruft bei vielen, vor allem bei evangelischen Pastorinnen und Pastoren, zuerst einmal Verwunderung und Befremden hervor. Wie passt das zusammen? Der Alltag im Kloster Wülfinghausen und die Exerzitien-Kurse sind von Stille durchwoben. Die Stille kann wie ein heilender Raum sein, in dem die Zärtlichkeit Gottes spürbar wird: in der Natur oder in der Meditation biblischer Texte, durch liebevoll gestaltete Räume mit Blumensträußen aus dem Klostergarten, durch schmackhaftes, gesundes Essen, einen schön gedeckten Tisch, durch die Liturgie mit ihren Ritualen, Texten und gregorianischen Gesängen. In diesen weiten Raum der Stille und des Schweigens tauchen wir ein in unseren verschiedenen Exerzitien-Kursen – evangelische, katholische und nichtkonfessionell gebundene suchende Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Stille macht uns alle in gleicher Weise zu Hörenden und Empfangenden. Das gemeinsame Schweigen, das Lauschen auf die leise Stimme des Geistes im eigenen Herzen, das Meditieren des Evangeliums verbindet uns über konfessionelle Grenzen und lässt uns etwas ahnen von der Wirklichkeit des einen Leibes Christi.

Es ist uns wichtig, unseren Gästen echt zu begegnen. Sie sollen wissen, dass wir auch durch Krisen und Krankheiten gehen und darin reifen wollen. Sie können sich in Gesprächen mit uns öffnen, weil sie spüren, dass sie hier sein können wie sie sind. Wir wollen nichts beurteilen oder werten, weil wir selbst auch immer wieder erfahren, wie bedingungslos uns Gott annimmt – die zentrale Grunderfahrung Martin Luthers!

Ökumenische Exerzitien-Werkstatt

Unsere Exerzitien-Kurse werden von einem ökumenischen Leitungsteam begleitet, und auch die Teilnehmer gehören häufig zu verschiedenen Konfessionen. Neben den klassischen Ignatianischen Einzel-Exerzitien für unterschiedliche Zielgruppen (Pfarrer, Ordensleute etc.) haben wir im Lauf der Zeit noch verschiedene andere Exerzitien-Formen entwickelt:

Reiter-Exerzitien für Menschen, die auf dem Pferderücken den inneren Regungen und Bewegungen auf die Spur kommen und in der Stille des Klosters und im Schweigen sich selbst und Gott begegnen möchten.

Garten-Exerzitien für diejenigen, die Gartenarbeit in unserem wunderschönen Klostergarten mit Stille, Impulsen und persönlicher Begleitung kombinieren möchten und einen ganzheitlichen Weg in ihrer Spiritualität suchen.

Exerzitien mit Bibliodrama-Elementen in Zusammenarbeit mit dem katholischen Exerzitienreferat in Kassel, immer über Silvester. Das ökumenische Leitungsteam ist ein Raum der Freundschaft, der Inspiration und der gegenseitigen Befruchtung!

In der weihnachtlichen Zeit liegt in unserer mittelalterlichen Krypta in der Mitte ein Jesus-Kind aus Ton auf einem braunen Tuch. Hier, in diesem Krippenkind, wurzelt unser ökumenisches Miteinander. Unsere Wege zum Kind sind verschieden, aber bei diesem Kind, in diesem Kind treffen wir uns und erleben eine tiefe Verbundenheit. Wenn wir gemeinsam das Geheimnis der Inkarnation anbeten, wächst Ökumene!

Kloster auf Zeit

„Also mal im Ernst: Was willst du denn in einem Kloster? Du bist jung, das ist doch nichts für dich! Unternimm eine Weltreise! Und dann fang möglichst bald an zu arbeiten! Deine Zeit läuft doch jetzt! Oft blicke ich in irritierte Gesichter, manchmal ist auch ein wenig Neugierde dabei. „Und was machst du da den ganzen Tag? Ist dir das nicht zu langweilig?“ – Nein, das ist es ganz sicher nicht! Aber vermutlich muss man das Leben hier am eigenen Leib erfahren, um verstehen zu können.
Auch ich hätte mir Anfang des Jahres nur schwer vorstellen können, einige Monate im Kloster zu leben. Geplant war ein zweiwöchiger Aufenthalt nach Abschluss meines Studiums. Und auch an diesen habe ich mich nur langsam herangetastet. Vieles war zunächst fremd und ungewohnt für mich: Noch nie hatte ich zuvor an einem Bibliodrama oder an Exerzitien teilgenommen. Schweigeexerzitien klangen für mich äußerst bedrohlich. Warum sollte man freiwillig einige Tage schweigen? Inzwischen weiß ich, warum. Ich habe gelernt, dass Schweigen und Lebendigkeit keine Gegensätze, sondern notwendige Bedingungen sind. Ich habe gespürt, dass Schweigen nicht Einsamkeit und Stille nicht Langeweile bedeuten. Und auch wenn ich mich im Alltag (und den gibt es im Kloster genauso wie außerhalb!) immer wieder selbst zu Zeiten der Stille ermahnen muss, würde ich sie nie als ein Verbot zu sprechen auffassen. Für mich sind Zeiten der Stille eine Einladung, mich selbst zu sammeln, hellhörig zu werden und auf Gottes Stimme zu lauschen. Ein ganz besonderes Highlight war für mich in diesem Herbst die Teilnahme an den Reiter-Exerzitien. Die Kombination aus geistlichen Impulsen, Bibliodrama-Elementen, die Arbeit mit dem Partner Pferd und Zeiten des Schweigens ist sicherlich einmalig. Mir haben diese Tage einen neuen, bewussteren Zugang zum Reiten, aber auch zu mir selbst eröffnet. Ich bin dankbar für dieses Geschenk und freue mich auf viele weitere Momente des Schweigens, aber auch der ausgelassenen Lebendigkeit zusammen mit der Communität! So erzählt Constanze.


„Kloster auf Zeit“ sind Kurse von einer Woche bis zu sechs Monaten, in denen Menschen zwischen zwanzig und vierzig Jahren den Rhythmus von „ora et labora“ mitleben können. Elemente dieses Kurses sind Teilnahme an den Gottesdiensten und Stundengebeten, halbtägige Mithilfe im Garten, ein persönliches Gespräch in der Woche, ein Bibelgespräch mit der Communität und Zeit für sich.

Ich werde am Du

Ein erfülltes Alleinsein mit Gott, eine gesunde Einsamkeit kann uns zu einer tieferen Beziehungsfähigkeit führen, zu einer schöpferischen, lebendigen Gemeinsamkeit. Wir brauchen einander. Wir brauchen gute, menschlich warme Beziehungen zu Männern und Frauen, die uns innerlich nähren und herausfordern. „Ich werde am Du“, sagt Martin Buber. Neben dem Du Gottes brauchen wir auch ein menschliches Du, dem wir uns anvertrauen können mit allem, was uns bewegt. In uns lebt der tiefe Wunsch nach Lieben und Geliebtwerden, nach Freundschaft und Intimität, wie es in dem Gedicht Sehnsucht zum Ausdruck gelangt.

Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe. Und wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf. Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an? So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, Dich zu suchen und lass sie damit enden, Dich gefunden zu haben.

Das Gedicht von Silja Walter aus Gesamtausgabe, Band 2, S. 460-462 drucken wir mit freundlicher Genehmigung von © Paulusverlag Freiburg/Schweiz 2000. Der Verfasser des Gedichtes „Sehnsucht“, das mit einer Zeile aus dem Werk von Nelly Sachs anhebt, ist unbekannt.


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