Leben im Rhythmus der Zeiten


Exkursion für Soziale Arbeit und Religionspädagogik ins Kloster Wülfinghausen


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Zwanzig Sozialarbeiterinnen und Religionspädagogen haben drei Tage im evangelischen Kloster Wülfinghausen bei Springe verbracht, um dort unter Leitung von Prof. Dr. Verena Begemann ein Seminar zum Thema „Zeit“ durchzuführen. Es ging sowohl um die theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Zeit als auch um das Erleben und Kennenlernen einer klösterlichen Zeitstruktur und Einlassen auf den Rhythmus von „ora et labora“. Sich mit der eigenen Lebenszeit, sozialen Zeitstrukturen sowie den Phänomenen und Auswirkungen des Akzelerationszirkels (1. technische Beschleunigung, 2. Beschleunigung des sozialen Wandels, 3. Beschleunigung des Lebenstempos) anhand einschlägiger Theorien in einem Kloster ausei- nander zu setzen, bietet einen besonderen humanwissenschaftlichen Zugang. Zeiten des Schweigens während der Mahlzeiten, im Kreuzgang und bei einem meditativen Waldspazier- gang mit Sr. Heike Scheufler wurden zu wichtigen anthropologischen Erfahrungen. Das Ethos der Achtsamkeit und Sensibilität wurde durch eine tägliche, halbstündige Eutonie-Einheit von Sr. Adelheid Wenzelmann gefördert. Aber auch das entschleunigte Essen sorgte für ein Wie- dererleben der Genussfähigkeit durch die phantastische Klosterküche.

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Wir erlebten eine intensive, konzentrierte Seminaratmosphäre mit Vorlesungen, Gesprächen und Referaten, die teilweise im Klostergarten gehalten wurden. Die Arbeit an zeitsoziologi- schen und zeitethischen Texten diente der Wissensaneignung und Reflexion. Die Äbtissin Sr. Reinhild von Bibra schreibt: „Das ist der Sinn des Klosters: In der verwirrenden Vielfalt der Welt einen Raum der Geschlossenheit und Konzentration schaffen, inmitten des Lärms einen Ort der Stille.“

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Der Tag war dicht und begann morgens um 08.00 Uhr mit dem Morgengebet und endete nach der Abendeinheit um 20.30 Uhr. Es schlossen sich Gespräche über das Erleben im sommerli- chen Klosterinnenhof an. In diesem Seminar ist eine Verbindung von Wahrnehmung, Denken und Gespür möglich geworden, in der Studierende neue, tiefere Erfahrungen ihres Menschs- eins sowohl individuell als auch in Gemeinschaft gemacht haben. So äußerten sich zwei Stu- dierende: „Ich habe noch nie so entspannt und in solcher Ruhe so viel Neues erfahren und gelernt.“ Und: „An diesem Ort werden Achtsamkeit und Wertschätzung gelebt.“ Zugleich mussten selbstverständlich Fragen offen bleiben, wie z.B. „Wie können wir als Sozialarbei- ter*innen und Religionspädagog*innen unsere Erkenntnisse persönlich und professionell im beschleunigten Gesellschaftssystem leben und umsetzen? Diesen Fragen widmen wir uns in einem Fortsetzungsseminar und werden dazu die Lehr- und Lernorte Hochschule und Kloster miteinander verbinden.

Text: Prof. Dr. Verena Begemann, Fotos: Sabine Schulz


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